Deutsche Sektion des Europäischen Friedensforums epf

Mitglied des Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden OKV
 
Zündeln mit „Defensiver“ Eskalation
(Rainer Rupp)


Die Eskalation im Ukraine Konflikt, der zunehmend wie eine Neuauflage des Kalten Krieg aussieht, hat einen weiteren großen Schritt nach vorne gemacht. Denn in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag ist die US-Kavallerie gekommen, wortwörtlich. Während die Welt gebannt auf den ersten Einsatz der US-Marines im Irak seit fast einem Jahrzehnt starrt, - natürlich als "humanitäre Berater", um die Aura des mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete US-Präsident Obama nicht zu zerstören, der tatsächlich aber in jeder Beziehung mit seinen kriegstreiberischen Vorgängern mithalten kann - fand mitten in Europa eine weitaus gefährlichere Entwicklung statt, die von der Öffentlichkeit so gut nicht wahrgenommen wurde. Laut Erklärung des Pentagon sind rund 600 US-Soldaten der 1. Armee Brigade, 1. Kavallerie-Division in Polen und den baltischen Staaten eingetroffen, um die europäischen Verbündeten zu beruhigen, die sich von den Russen bedroht fühlen.

Während Umfragen gezeigt haben, dass es für die meisten Amerikaner nachweislich eine geographische Herausforderung ist, Polen oder die Ukraine auf der Landkarte zu finden, wissen alle Russen sehr gut, dass diese Länder direkt an Russland grenzen. Aber glaubt Washington wirklich, folgenlos militärische Verstärkung an die Westgrenze Russlands schicken kann, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem jede Truppenbewegung rund um den Globus misstrauisch unter die Lupe genommen wird? Daher kann die extrem provokative, militärische Expansion der US/NATO-Mächte nur zu weiteren russischen Reaktionen auf diese „defensive“ Eskalation des Westens führen. Das ist natürlich ein absolut brillianter Schachzug des Westens, insbesondere unter Berücksichtigung dessen, was Russland bereits am 11. Dezember letzten Jahres gesagt hat, lange bevor der Kalte-Krieg ähnliche, heiße Stellvertreterkrieg in der Ukraine abzusehen war:

„Nur für den Fall, dass nicht ganz klar ist: Wenn es zu einem Angriff gegen uns kommt, werden wir in bestimmten Situationen zur Verteidigung unseres Territoriums und der Interessen des Staates mit Sicherheit auf den Einsatz von Atomwaffen zurückgreifen", erklärte damals der stellvertretende russische Ministerpräsident und frühere NATO-Botschafter. „Dieses Prinzip ist fest in der russischen Militärdoktrin festgeschrieben. Jeder Angreifer oder einer Gruppe von Aggressoren sollten sich dessen bewusst sein. Für uns haben Kernwaffen nichts von ihrer Bedeutung als Waffe der Vergeltung und als großer Gleichmacher verloren“, sagte Rogosin. Das hat in Westeuropa offensichtlich niemand gehört.

Ist Berlin auch entgangen, dass Russland bereits eine „zweistellige Zahl“ von taktischen Atomraketen des Typs SS-26 weit vorne an der Grenze zu Polen stationiert hat. Im Konfliktfall müssen solche Raketen frühzeitig eingesetzt werden oder man läuft Gefahr, sie an den Gegner zu verlieren. Warum unterstützt Berlin die faschistisch durchtränkte Junta in Kiew und die Amerikaner beim Zündeln an der russischen Westgrenze und riskiert so in einen bewaffneten Konflikt zu rutschen? Ist unsere Regierung in Berlin nicht mehr bei Sinnen? Erinnert sich niemand mehr an den Spruch einsichtiger deutscher NATO-Mitarbeiter zu Zeiten des Kalten Kriegs, dass die Amis problemlos bis zum letzten Deutschen gegen die Russen zu kämpfen würden.

Sbg., den 15.8. 2014

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