Deutsche Sektion des Europäischen Friedensforums epf
Mitglied des Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden OKV
 

Wie in jedem Jahr erinnerten die Freunde der Tschechen und Slowaken n.e.V.  an die Ermordung Julius Fučíks in der Blutnacht des 8. September 1943 in Berlin Plötzensee. An seinem Denkmal hatten sich ca. 25 Teilnehmer versammelt, um den Widerstandskämpfer gegen den Faschismus zu ehren. An der Gedenkveranstaltung nahm auch der 1. Sekretär der Tschechischen Botschaft in Berlin Zdeněk  Kuna teil, der in seinen würdigenden Worten an den Widertand der Tschechen gegen den Faschismus im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren erinnerte.

Die Teilnehmer an dieser Ehrung legten an seinem Denkmal Blumen nieder.

Zum 71. Jahrestag der Ermordung Julius Fučíks in Berlin Plötzensee

„Menschen ich hatte Euch lieb! Seid Wachsam!“ Damit endet Fuciks Hauptwerk, „Die Reportage unter dem Strang geschrieben“ aufgezeichnet im Gefängnis Prankrac im Jahre 1943.Eigentlich plante Fucik eine Erzählung oder einen Roman, aber dafür blieb ihm keine Zeit mehr. Er hat die ihm noch bleibenden Wochen und Monate genutzt, um den Faschismus als eine verbrecherische Gesellschaftsformation zu analysieren, in der Menschen sich entscheiden müssen, ob sie zu Mitläufern, Teilhabern oder Widerständlern werden wollen. Faschismus zerstört die Persönlichkeit seiner Mitläufer und macht die aktiv handelnden aufrechten  Menschen zu Helden.

Nach dem II. Weltkrieg waren sich die Menschen einig, nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg. Heute stehen wir hier mit Fučíks Mahnung im Rücken auf diesem Denkmal und müssen feststellen, dass die Welt  wieder  voller Kriege ist und das faschistisches Denken und Rassismus  unter dem beschönigenden Begriff Rechtsradikalismus wieder salonfähig geworden sind und unseren Widerstand fordern.

Wer hätte sich vorstellen können, dass eine neonazistische Bande über 10 Jahre in Deutschland morden konnte und dass die zögerliche und mangelnde Aufklärung dieser Verbrechen  deutlich macht, dass Justiz und Nachrichtendienste alles daran gesetzt haben, das Ausmaß dieser in ganz Deutschland wirkenden Netze zu vertuschen. Jahrelang wurden diese Verbrechen als Streitigkeiten zwischen Familien oder Verwandten aus ökonomischen Gründen interpretiert, auch wenn es dafür keinerlei Beweise gab. Die Hinweise auf neonazistische  Mitwirker wurden ignoriert. Die von den Landtagen in Berlin und Thüringen bereits vorliegenden Berichte der parlamentarischen Untersuchungskommissionen sprechen von einem totalen Versagen der rechtsstaatlichen Institutionen  und von Bestrebungen das Ausmaß dieser Verquickungen zu vertuschen, alle darauf hindeutenden Spuren zu verwischen und Beweismaterialien zu vernichten. In einem Rechtsstaat ein unerhörtes Vorgehen.

In der Ukraine sind faschistoide Parteien an der Regierung beteiligt und bekämpfen das antifaschistische Erbe des Großen Vaterländischen Krieges, sie erheben Mitläufer der Faschisten wie Bandera zum nationalen Idol. Sie führen Krieg gegen das eigene Volk.

Ja wir müssen uns Fučíks Mahnung immer wieder ins Gedächtnis rufen und Widerstand leisten.

Was macht Menschen zu Figuren, die sich so einem System andienen. Neben den Widerständlern und Opfern widmet sich Fučík in seiner Reportage auch diesen Menschen. Sein Kommissar macht sich nicht selbst die Hände schmutzig, das überlässt er anderen. Fučík schildert seinen Kampf mit diesem sich intellektuell gebärdenden Faschisten, der neben Folter vor allem auf psychologische Beeinflussung setzt. Obwohl der wohl ahnt, dass die Faschisten diesen Krieg nicht gewinnen können, versucht er Fučík, die Wirkungslosigkeit seines Kampfes zu suggerieren.  So kämpfen sie in den Verhören gegeneinander. Sie belogen sich nach allen Regeln der Kunst. Das Fazit war, dass sein Kommissar feststellte: „Für uns gibt es keine Rettung, wenn wir besiegt werden sollten“ und zog aus seiner Tasche eine Pistole- „siehst du, die letzten drei Kugeln hebe ich für mich auf.“  Da war er nicht mehr nur eine traurige Figur, er charakterisierte eine Zeit, die über solche Figuren hinweggehen würde.

Aber leider sterben solche Figuren nicht aus. Auch heute sind die gefährlichen nicht jene Schläger, die Randalieren und mit ihrer Gewalt Schrecken verbreiten und die Menschen einschüchtern wollen. Gefährlich sind die im Hintergrund wirkenden, die „zivilisierten“,  die sich als gutbürgerlich und staatstragend gebärden und sich als Hüter der westlichen Wertegemeinschaft – was immer das auch ist –  mit allen Mitteln darstellen. Schauen wir ihnen auf  die Finger. Entlarven wir ihre Demagogie, dann werden wir uns des Vermächtnisses von Julius Fučík würdig erweisen. Wenn Fučík noch an unserer Seite stehen könnte, würde er für eine gerechte Welt kämpfen, gegen die gegenwärtig wachsende Kriegsgefahr und alle neonazistischen und rassistischen Verbrechen. Stehen deshalb wir auf zum Kampf gegen das Säbelrasseln der NATO, einschließlich Deutschlands, gegenüber Russland. Kriege sind kein Mittel um politische Konflikte zu lösen. Dieser Konflikt in der Ukraine darf nicht zum Austragungsort  für den Kampf Obamas um die Vorherrschaft der USA in der NATO und in der Welt werden. Fučík stünde dabei an unserer Seite

Er wurde nur vierzig Jahre alt und er hat das Leben geliebt, er hat für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft mit den Mitteln, die er am besten beherrschte. Er war Journalist und Schriftsteller und Kämpfer. Gedenken wir seiner.

 Helga Katzschmann

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